Aus unserer Nähwerkstatt – Ein Schnuffeltuch für Stella

Wäre es nicht toll, wenn Baby Stella, sechs Monate alt, ein schönes Schnuffeltuch hätte? Mit dem sie gerne einschläft, das sie sich aufs Gesicht legen kann? Vielleicht könnte es lange Bänder an den Ecken haben zum dran lutschen? Vor allem wäre es toll, wenn Stella nicht mehr so fixiert auf Mamas großes Daunenkopfkissen wäre! Denn sie ist schon mehrfach aus dem Babybay gekullert und hat sich halb unter dem Kissen versteckt. Sie muss es mindestens anfassen können, sonst schläft sie nicht ein. So kann das nicht weitergehen.

Gesagt, getan – der Plan steht: Es wird ein Nähprojekt. Ein Schnuffeltuch für Stella muss her, natürlich selbstgemacht und individuell nach meinen Vorstellungen. So schwer kann das ja nicht sein. Schließlich hatte ich mehrere Jahre Handarbeitsunterricht in einer katholischen Mädchenschule in Bayern – nochmal Danke Schwester Gerlinde für all die nützlichen Grundkenntnisse.

Bei Stoffe Meyer werde ich schnell fündig. Der wild und bunt gemusterte Stoff soll es sein, dazu Baumwollflies für den Kuschelfaktor und der passende Faden. Zuhause stehe ich allerdings ratlos vor meinen Einkäufen. Was würde Schwester Gerlinde jetzt tun?

Okay, Stoff waschen, und jetzt? Zwischen Wickeltisch, Breigläschen und während einiger Spaziergänge gehe ich es immer wieder durch – aber der Schlafmangel fordert seinen Tribut. Ich hänge fest. Irgendwie traue ich es mir nicht zu. Der Stoff ist so schön, ich habe ihn doch extra gekauft. Was, wenn ich es verbocke? Nochmal in den Stoffladen und nochmal Stoff kaufen. Welche Schmach! Schwester Gerlinde dreht sich jetzt schon im Grabe um.

Ich beschließe, das Baby dem Papa in den Arm zu drücken – zur Abwechslung gehe ich jetzt abends mal raus! Mein Projekt braucht einen Coach – einen Nähcoach. Den finde ich im Nähkurs bei Stoffe Meyer. Wobei, finde ich, Nähkurs ein verwirrender Begriff ist – schließlich kann ich doch schon nähen! Irgendwie zumindest. Doch der Abend bei Stoffe Meyer im Nähraum wird ein voller Erfolg. Erstens wegen der netten Mitstreiterinnen, die alle ihre Projekte dabei haben und natürlich wegen meines Coachs. Mit zwei, drei Tricks und Denkanstößen ist der Stoff zugeschnitten. Der Stoff bietet sich sogar an, dass die Bänder an den Ecken so geschnitten werden, dass das Muster zu den Enden hin ausläuft. Wie hübsch das aussieht!

An einem Abend ist es geschafft, das Schnuffeltuch für Stella. Ich platze fast vor Stolz – es sieht so hübsch aus! Man kann die Bänder knoten zum besseren Kauerlebnis. Und – oh! – man kann sogar einen Schnuller dranbinden. Daran hatte ich ja gar nicht gedacht. Vier Tage straft Stella mein wunderschönes Schnuffeltuch mit Gleichgültigkeit. Es raschelt nicht, es rasselt nicht und es ist nicht aus Plastik. Aber dann legt sie es sich eines abends aufs Gesicht, schmust sich in den Stoff und hält ein Band fest umklammert, als sie einschläft. Seitdem weiß ich: Es ist das verdammt nochmal beste Schnuffeltuch der Welt. Mindestens.

 

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.